Dali Ausstellung in Überlingen

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Salvador Dali – Leben und Werk

Seit Mitte März haben Kunstinteressierte und die, die es werden wollen, die Möglichkeit, die Sonderausstellung “ Salvador Dali – Leben und Werk“ im Überlinger Faulen Pelz zu bestaunen. Grund genug, am Samstag an der Premierenführung teilzunehmen und von Michael Imhof, einem führenden Dali-Experten, Wissenswertes und Kurioses aus erster Hand zu erfahren. Herr Imhof ist auch Verleger, Kunsthistoriker und selber Fotograf und er führt uns eine gute Stunde kurzweilig in das Werk des großen katalanischen Malers ein.

Herr Imhof, Dali Experte, in seinem Element

Natürlich kenne ich Dalis zerfließende Uhren oder die langbeinigen Elefanten; weiß, dass er aus Spanien kommt und Anfang des 20. Jahrhunderts geboren ist und sein zwirbeliger Schnurrbart sein Markenzeichen ist, aber dann hört es bei mir fast schon auf. Warum er diesen surrealistischen Malstil gewählt hat oder dass er auch ein absolutes Marketing-Genie und ziemlich geldgeil gewesen ist,  war mir gänzlich unbekannt. Diesen Vormittag im Faulen Pelz habe ich Dali näher kennengelernt, viel Privates über ihn erfahren und das Wie und Warum seiner Arbeit. Dadurch angeregt, habe ich im Netz gesucht und viel über ihn gefunden…also, ein angenehmer Zeitgenosse war er auf keinen Fall. Wie so oft, Wahnsinn und Genie liegen beieinander. Und bei Dali wird das ganze dann noch gekrönt mit einer gehörigen Menge Narzissmus… und Habgier… und Gewaltausbrüchen…

Aber zurück zur Ausstellung…

Dali in der Städtischen Galerie Überlingen – auf jeden Fall den Eintritt wert

Herr Imhof ging mit uns chronologisch durch die Ausstellung und erklärte die Werke mit vielen Hintergrundinformationen. Wer mag: Unten habe ich Dalis Leben und Werk in kurzen Sätzen beschrieben, allerdings kannst dies du wahrscheinlich besser und ausführlicher in Wikipedia oder sonst wo recherchieren.  Ich möchte hier mit meinem Beitrag meine persönlichen Gedanken und Highlights mit dir teilen und Lust auf mehr machen, damit auch du in die Ausstellung gehst.

Mein Lieblingsbild von Dali

Man muss nicht alles verstehen

Bei diesem Werk stand er selber und seine Frau Gala Modell. Ich mag, wie die Frau ihm zugeneigt ist und die Köpfe in den Wolken verloren scheinen – oder umgekehrt… Weite Landschaften beherrschen die Oberkörper und die Herzgegend, während im Vordergrund ganz banale Tische stehen, mit einem 1kg Gewicht beschwert…. Aber Herr Imhof sagte, „Man muss nicht alles verstehen…“ Auf dem Torso von Gala soll übrigens noch ein nackter Lenin zusammengekauert zu sehen sein. Ich habe ihn nicht erkannt…

Ohne Photoshop

Akrobatik statt Bildbearbeitung

Photoshop gab es natürlich noch nicht und so mussten die Frauen tatsächlich die unmöglichsten Verrenkungen einnehmen. Mit guter Beleuchtung und Akrobatik entstand dann in Kooperation mit dem Fotograf Philippe Halsman dieses spektakuläre Aufnahme. Spannend, wie aus 7 Frauen ein Totenkopf wird, nicht wahr?

Einhörner und Skulpturen

Einhorn

Dali hat auch sehr viele Skulpturen angefertigt. Dieses Einhorn hat mir sehr gut gefallen, auch die Geschichte dazu. Oder wusstest du, dass nach einer mittelalterlich-christlichen Legende die Einhörner sich nur vermehren können, wenn eine Jungfrau Berührung mit dem Horn hat?

Frauen auf Giraffenhälsen

 Christlicher Einfluss auf Dali

Lange Zeit beschäftigt er sich mit christlichen Motiven, hat sogar eine Audienz beim Papst und fertigt Bilder mit einer ganz ungewöhnlichen Perspektive der Kreuzigung Christi an. Leider habe ich versäumt, davon ein Foto zu machen…

Lange Zeit präferierte Dali christliche Motive

 

#Dali

Spannend finde ich, dass Dali ein Leben in Luxus geführt hat und alles daran setzte, es finanziert zu bekommen. Er hatte oft Sponsoren wie Picasso, vermarktete aber seine Kunst in jedweder Form. Von ihm gibt es Aschenbecher, Krawatten, Schmuck und Skulpturen. Alles, was man zu Geld machen konnte, hat er benutzt. Hätte es damals schon Instagram gegeben, wären die Hashtags #Dali und #Gala sehr sehr weit oben gerankt. Sehr zum Ärger von anderen Künstlern, sei Kunst doch erhaben über den schnöden Mammon und Kommerz.

In der Ausstellung gibt es über 400  Ausstellungstücke, Alltagsgegenstände und Dali himself, gefertigt von einer Maskenbildnerin, die normalerweise Neandertaler uä für Filme und Museen fertigt.

Geht hin, lasst es euch nicht entgehen, so eine Ausstellung in Überlingen zu besuchen, die in ihrem Anspruch genauso gut auch in Paris, Kopenhagen oder Barcelona statt finden könnte. Es ist spannend, auch für solche Kunstbanausen, wie ich es bin.

Darf ich vorstellen? Salvador Felipe Jacinto Dalí i Domènech

Noch seine Bio:

Dali wurde Anfang des 20. Jahrhundert in Katalonien, als Sohn eines angesehenen Notars geboren und nach seinem kurz vorher verstorbenen Bruder Salvador benannt. 4 Jahre später kam seine Schwester zur Welt, die später auch ein Buch über ihn veröffentlicht hat. Schon in jungen Jahren wurde sein Talent erkannt und von seinem Lehrer Fernández gefördert.

1921 stirbt Dalis Mutter, im Herbst findet dennoch die Aufnahme an der Kunsthochschule in Madrid statt und die Freundschaft mit Lorca und Bunuel beginnt. Ein paar Jahre danach lernt er Picasso kennen, der ihn bestärkt und große Stücke auf ihn hält. 1926 kommt Dalis großes Ego zutage, als er die Prüfungsthemen der Abschlussprüfung der Akademie ablehnt, mit der Begründung, die Lehrer könnten einen großen Künstler, wie er es sei, nicht bewerten.

Zwei Jahre später lernt er in Paris Miró und den Surrealismus kennen. Dali dreht mit Bunuel den surrealsistischen Film „Ein andalusischer Hund“, der zu der Zeit in Skandal war und ich selbst jetzt, fast 90 Jahre später als ziemlich gruselig empfinde.

1929 lernt er seine spätere Frau Gala kennen, die gleichzeitig seine Frau, Muse, Finanzverwalterin und Marketinggenie ist und der der immense Reichtum zu seinen Lebzeiten zu verdanken ist.

1934 reist das Ehepaar nach New York, Picasso ist sein Sponsor, wohlwissend, das seine Ausstellung in Amerika ein voller Erfolg wird und ihm große Popularität verschafft.

1939 besucht Dali den Psychoanalytiker Freud in seinem Londoner Exil, bevor er selber von 1940 bis 1948 mit Gala in Amerika ins Exil geht. Dort arbeitet er mit Hitchcock und Walt Disney zusammen.

Nach einer Audienz beim Papst beschäfigt er sich vorwiegend mit relligiösen Motiven.

1952 stirbt sein Vater, mitten in der Zeit seiner so genannten Nuklearen Mystik.

1960 wird seine umfangreiche Illustrationsarbeit zu Dantes Göttlicher Komödie von einem  französischen Verleger herausgegeben, wird 1964 mit dem Großkreuz geehrt und kauft 1968 für seine Frau Gala des Schloss Púbol in der Nähe seiner Heimatstadt.

Er ist weiterhin komerziell unterwegs, entwirft Werbung für  Schokolade und Tabletten oder entwirft Plakate für eine Eisenbahn, gestaltet die Vogue, entwirft Alltagsgegenstände wie Aschenbecher und Schmuckstücke.

1974 eröffnet er sein eigenes Museum in Figueras. Nach dem Tod seiner Frau lebt er für 2 Jahre auf Schloss Pubol, 1984 erleidet er dort bei einem Brand schwere Verletzungen und stirbt 1989 im Turm seines Museums, den er seit dem Brand bewohnt hat. Er wird in der Krypta beigesetzt und auf seinen Wunsch einbalsamiert.

2 Kommentare auch kommentieren

  1. Volkan Kücük sagt:

    Hallo Marion,

    ich habe deinen Blog mit Genuss gelesen. Schöne Details und authentisch wie immer 🙂 Ich war selber in der Ausstellung, dort hat mich besonders die Fotoaufnahme von P. Halsmann fasziniert. Ein Must-Go Event.

    Liebe Grüße
    Volkan

    1. Marion Vogt sagt:

      Hi Volkan,
      Danke für deinen Kommentar.
      Ist ja klar…nackte Frauen;)
      Liebe Grüße
      Marion

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